Paderborn

Dem Himmel ganz nah.Höhenretter der Feuerwehr üben erstmals am Paderborner Dom.

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Paderborn: Windräder, Silos, Baukräne, Brücken oder Hochhäuser sind die Einsatzorte der Höhenretter der Paderborner Feuerwehr. Am Samstag durften sie erstmals an einer ganz besonderen Stelle üben, am Paderborner Dom.

Der Turm des Gotteshauses ragt 93 Meter in die Höhe, auf 50 Meter Höhe galt es einen Arbeiter zu bergen, der sich laut Einsatzszenario nicht mehr bewegen konnte. Beobachtet von Bürgern, die gemütlich auf dem Domplatz in der Sonne saßen, kämpften sich sechs Höhenretter aus dem 20-köpfigen Team den Turm hoch, übernahmen die Erstversorgung des Mannes und legten ihn in eine mit Seilen gesicherte Trage. Anschließend kletterte André Lorang langsam mit dem Opfer an der Fassade des Turms herunter. Als Opfer hatte sich mit Stefan Reddemann ebenfalls ein Feuerwehrmann zur Verfügung gestellt.»Natürlich müssen Höhenretter schwindelfrei sein, aber sie müssen auch Spaß am Klettern haben. Für mich ist das nichts«, sagte Paderborns Feuerwehrchef Ralf Schmitz.

Die Höhenretterabteilung besteht seit 2004. Sie ist unter anderem eine Reaktion auf die zunehmende Zahl von Windrädern, bei denen es immer wieder vorkommen kann, dass Monteure einen Bandscheibenvorfall erleiden und sich selbst nicht mehr helfen können. Im vergangenen Jahr hatte sich zum Beispiel ein Mann bei der Arbeit an einer Windturbine in Paderborn-Benhausen drei Finger eingequetscht und musste von den Experten der Feuerwehr aus luftiger Höhe geborgen werden. Bis zu zwei Einsätze im Monat haben die Höhenretter. »Dabei geht Sicherheit vor Schnelligkeit«, betonte Schmitz. Auch am Samstag wurde das vermeintliche Opfer behutsam nach unten bugsiert. »Beim Übergang vom Gerüst ins Freie, als ich da mit meinem Oberkörper so hing, wurde mir schon ein bisschen komisch«, schilderte Reddemann seine Eindrücke. Aber Lorang und seine Kameraden sorgten dafür, dass nichts passierte, dass sich nicht zum Beispiel die Seile verknoteten.

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Für die Höhenretter gab es schon härtere Herausforderungen. »Bei minus 9 Grad und Schnee mussten wir mal in Bleiwäsche eine Person im Dunkeln aus einem Steinbruch holen«, erinnert sich der Leiter der Abteilung, Georg Brüggenthies. Es klappte. Auch bei Bruchlandungen sind die Experten gefragt. »Über die Jahre haben wir so um die zehn Fallschirmspringer aus den Bäumen geholt«, erzählte Brüggenthies. Die Arbeit als Höhenretter hat ihn schon immer gereizt: »Ich gehe gern auf Klettersteige in den Bergen.« Diesmal beobachtete er den Einsatz am Boden. Jeder Feuerwehrmann muss eine Ausbildung in Absturzsicherung vorweisen. Wer Höhenretter werden will, absolviert eine zweiwöchige Vollzeitausbildung, bildet sich jährlich weiter und muss oft trainieren.

Die Anregung zur Übung am Domturm kam von Dompropst Joachim Göbel. Weil der Turm derzeit ohnehin eingerüstet ist, bot er der Feuerwehr an, die Situation zu nutzen. Göbel selbst hat aber kein Verständnis für junge Leute, die immer wieder mal am Gerüst hochklettern – entweder, weil sie das als Mutprobe ansehen oder weil sie angetrunken sind. André Lorang wagte sich am Samstag aus Übungszwecken an den Turm, und das gern: »Wenn man als Paderborner am Dom klettern darf, ist das etwas Besonderes.«

Quelle: Westfälisches Volksblatt von Dietmar Kemper