Mutige Menschen von nebenan. Couragierte Lebensretter und mutige Zeugen vom Präventionsrat gegen Gewalt ausgezeichnet.


Kreis Paderborn (WV). Hinsehen und Handeln ist für sie selbstverständlich: 32 Bürger aller Altersklassen sind am Montag im Kreishaus bei einer Feierstunde für ihr couragiertes und oftmals lebensrettendes Verhalten geehrt worden. Mutig, entschlossen und selbstlos hatten sie sich für andere eingesetzt, kompetent geholfen und gerettet: vom zehnjährigen Jugen bis zur 75-jährigen Rentnerin.

»Sie sind die stillen Helden des Alltags«, sagt Landrat Manfred Müller. Gemeint sind diejenigen Menschen, die nicht wegschauen, sondern in Notsituationen, bei Straftaten und in Konfliktsituationen Mut beweisen und rasch zu handeln wissen. 32 Bürger aus dem Kreis Paderborn haben genau dies getan. »Sie haben das Wohl anderer oder der Gemeinschaft über ihr eigenes Wohlergehen gesetzt«, sagt Müller in die Runde der anwesenden Helfer und Retter.
Durch ihre schnellen, umsichtigen und teils risikoreichen Reaktionen sei der öffentliche Raum sicherer geworden. Auf diese Weise konnten Menschenleben gerettet sowie Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Deshalb habe die feierliche Ehrung einen besonderen Stellenwert und sei beispielgebend. »Jeder kann etwas tun«, betont Müller. Dafür benötige es Entschlossenheit statt Gleichgültigkeit. Oft können schon Kleinigkeiten eine große Wirkung erzeugen und zur Aufklärung von Delikten oder Unfallursachen beitragen. Die Kinder, Männer und Frauen aus dem Kreis Paderborn haben sich mit ihrer Zivilcourage vorbildhaft verhalten.
Zum Lebensretter wurde im März 2010 der zwölfjährige Marian Rellecke. Er hatte ein Kleinkind aus einem Bach in der Nähe des Spielplatzes am Berliner Ring gerettet. Das 18 Monate alte Kind war offensichtlich in einem unbeaufsichtigten Moment in den Bachlauf gefallen. Marian Rellecke hatte dies beobachtet und blitzschnell reagiert. Er zog den tropfnassen Jungen aus dem Wasser, tröstete ihn und suchte sogleich dessen Mutter.

Die vier ebenfalls zwölfjährigen Mädchen Annika Mehring, Maja Laufkötter, Stella Schäfers und Milena Rieger waren am Morgen des 8. Januar dieses Jahres als Sternsinger in Bad Wünnenberg unterwegs und sammelten Spenden für arme Kinder in Nicaragua. Als sie in einem Erdgeschossfenster blickten, sahen sie, dass eine Tischdekoration in Flammen stand. Geistesgegenwärtig schellten sie an der Haustür, doch niemand antwortete. Sie liefen zum nächstgelegenen Haus und baten die dortige Bewohnerin um Hilfe. Diese rief die Feuerwehr, die den Brand unter Kontrolle brachte. Durch das schnelle Handeln der Mädchen konnte ein Übergreifen des Feuers verhindert werden.
Kriminaloberkommissar Johannes Petri (49) hat am 15. Dezember 2010 einen schweren Verkehrsunfall verhindern können, indem er einen Bus auf der Bundesstraße 68 stoppte. Der mit 40 Kindern und Berufspendlern besetzte Bus war auf dem Weg von Warburg nach Paderborn, als plötzlich die Fahrerin über massive Kreislaufbeschwerden klagte und einen Kollaps erlitt. Petri, der direkt hinter ihr saß, sprang sofort auf und kümmerte sich um die Frau und half ihr dabei, das Fahrzeug sicher in die Einfahrt eines Feldweges zu steuern.
 Eine Gruppe von Helfern war zugegen, als es am 1. September dieses Jahres um 16.15 Uhr an der Bahnhofstraße zu einem schweren Verkehrsunfall kam. Carsten Hein (37), Heinrich Bielefeld (64), Senol Avci (38) und Jasmin Green (23) zögerten keinen Moment, mehrere teils schwerstverletzte Personen aus den verunglückten Autos zu befreien und anschließend vor Ort Erste-Hilfe-Maßnahmen einzuleiten.
 
Sie sind die Lebensretter
Andreas Bracht (32) hilft einem gebrechlichen und orientierungslsen älteren Herren in einer bedrohlichen Situation.
André Depa (38) zieht eine schwerverletzte Mutter unter einem Lkw hervor und leistet erste Hilfe.
Wladislaw Schükow (25) und Christian Spangler (24) helfen mit zwei Freunden bei einem Brand, die Bewohner eines Bauernhofes zu retten.
Ismail Karaduman (40) hilft ebenfalls bei einem Brand eines Mehrfamilienhauses, die Bewohner in Sicherheit zu bringen.
Christoph Peters (28) und die Polizeibeamten Martin Böning (47) und Liborius Gockeln (50) retten aus einer brennenden Wohnung eine 98-jährige Rentnerin.
Markus Filmar (22) und die Polizeibeamten Daniel Menne (31) und Alexandra Dürr (37) retten einem 19-jährigen Mann das Leben, der bei einer Auseinandersetzung tätlich angegriffen wurde und dessen Halsschlagader verletzt wurde.

Couragierte Zeugen
Horst Brand (62) verfolgt drei Männer, die eine ganze Reihe von Autos beschädigt haben.
Gisela Jansen (75) hilft der Polizei dabei, eine Trickdiebstahl-Bande von Frauen festzunehmen.
Markus Röver (46) hält mit einem weiteren Zeugen zwei Täter fest, die eine Seniorin bestohlen haben.
Magalie Pollmann (22) schlägt als Zeugin Einbrecher in die Flucht, die dank ihrer Aufmerksamkeit auch überführt werden können.
Hans-Geörg Thöle (59) hält mit anderen Zeugen jugendliche Diebe fest, obwohl er sogar mit einem Messer bedroht wird.
Mike Featherstone (17), Chris Featherstone (15) und Bastian Kriesten (17) halten gemeinsam einen 37-jährigen Dieb trotz massivster Gegenwehr fest.
Carsten Fecke (44) stoppt eine ganze Kinderdiebesbande, die eine Seniorin bestehlen will.
Mashod Iskan (33) kann einen Einbrecher überwältigen und bis zum Eintreffen der Polizei festhalten.
Elke Lübbemeier (48) und Sylvia Meyer (41) helfen als Zeugen der Polizei dabei, zwei Diebe zu überführen.

Bericht / Foto: Westfälisches Volksblatt von Mark Hänsgen



Neue Westfälische

Landrat ehrt 34 Menschen für ihre Zivilcourage.

VON ANNIKA FALK; Paderborn. An einem sonnigen Märznachmittag wollte Marian mit seiner Mama und einigen Freunden auf dem Spielplatz im Park am Tausendquell lediglich picknicken. Doch beim Spielen sah der damals Zehnjährige ein Kleinkind wild schreiend in einem Bach, überlegte nicht lange und sprang hinterher. Dem kleinen Jungen rettete der Gymnasiast damit das Leben. Deshalb wurde Marian Rellecke im Kreishaus vom Präventionsrat gegen Gewalt geehrt - neben 33 anderen Menschen aus dem gesamten Kreisgebiet. Sie haben in den vergangenen zwei Jahren Zivilcourage bewiesen und mit ihren mutigen Taten vorbildhafte Zeichen gesetzt, sagte Landrat Manfred Müller.

Einige waren couragierte Zeugen, die wichtige Hinweis gaben, um Straftaten aufzuklären, andere retteten Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen.Wie Marian, der im März 2010 mit Freunden neben dem Bach in den Bäumen gespielt hatte. "Ich habe jemanden schreien gehört und einen kleinen Kopf gesehen", erinnert sich der heute Zwölfjährige.
Während seine Freunde Richtung Spielplatz liefen, um die Eltern zu informieren, fackelte der mutige Marian nicht lange. Kurzerhand sprang er in den Bach und rettete den etwa anderthalbjährigen Jungen, der tropfnass und über und über mit Algen übersäht war. Die Mutter des Kleinen hatte ihren Sohn schon verzweifelt gesucht und war überglücklich. Marian war nach der Rettungsaktion voller Dornen und Brennnessel, doch das störte ihn wenig. "Er war nur sehr hungrig", erinnert sich Mama Susanne Kleist. Denn das Picknick musste ausfallen, da der Schüler des Pelizaeus-Gymnasiums durchnässt war und sich umziehen musste.

"Marian hat sich vorbildlich verhalten und für sein Alter schnell und umsichtig reagiert", lobte der Landrat. Für die Auszeichnung vorgeschlagen worden war der Junge von seiner Mutter. In dem Schreiben notierte diese auch einen Verbesserungsvorschlag, der prompt umgesetzt wurde. Zwei Monate später wurde neben dem Bach ein Zaun angebracht, damit die Kinder nicht mehr problemlos Richtung Wasser laufen können.

Ähnlich mutige Jugendliche kommen aus Bad Wünnenberg. Annika Mehring, Maja Laufkötter, Stella Schäfers und Milena Rieger waren im Januar als Sternsinger unterwegs, gingen von Haus zu Haus. Dabei fiel ihnen auf, dass in einer Erdgeschoss-Wohnung die Tischdekoration lichterloh brannte. Sofort klingelten sie an der Tür, um die Bewohner zu warnen. Als diese nicht hörten, alarmierten die vier eine Nachbarin, die wiederum die Feuerwehr zur Hilfe rief. "Dank des schnellen Handelns der vier Mädchen konnte ein Übergreifen des Feuers auf weitere Räume eingedämmt werden", lobt Müller.

Einige Geehrte wurden auch von den Menschen vorgeschlagen, denen sie in einer gefährlichen Situation beistanden. André Depa hatte einer Frau nach einem schweren Verkehrsunfall Erste Hilfe geleistet. Sie war in Schloß Neuhaus von einem Lastwagen überfahren worden, er zog sie hervor und hielt sie in seinen Armen, bis der Arzt kam.
Das rührte deren Tochter so sehr, dass sie den 38-Jährigen vorgeschlagen hatte. "Während es viele Gaffer gab, handelte André Depa, der zufällig vorbei kam, sehr schnell", schreibt sie in dem Vorschlagsbrief. Er habe ihrer Mutter das Gefühl gegeben, nicht alleine zu sein und sei ein "stiller Held der ganz besonderen Art".

Bildunterschrift: Stille Helfen: Diese Männer und Frauen wurden mit dem Courage-Preis ausgezeichnet - sie retteten Leben oder halfen dabei, Straftaten aufzuklären.