Neues Feuerwehrgerätehaus eingeweiht. Hövelhofer haben nun hochmoderne Schaltzentrale.
Hövelhof. Zufall: Im Raum mit der Nummer 112 verbirgt sich nun die Kleiderkammer der Hövelhofer Feuerwehr. Das neue Feuerwehrgerätehaus ist nicht weniger als eines der größten Bauprojekte der Gemeinde und der modernste Feuerwehrbau im ganzen Kreis Paderborn.
Dass das Millionenprojekt am Alten Markt tatsächlich dem oftmals inflationär benutzten Quantensprung gerecht wird, zeigte bereits das Starkregenereignis im Juni. Die Ausstattung im neuen Feuerwehrgerätehaus verschaffte nicht nur eine bessere Arbeitsatmosphäre, sondern auch einen Zeitvorsprung.
„Im neuen Gebäude hieß es: Licht an, starten“, erinnert sich Sebastian Lienen als Leiter der Hövelhofer Feuerwehr noch genau an die Situation mit 200 Einsatzstellen auf einmal. Im Gegensatz zur Situation im alten Gebäude habe es keine Vorlaufzeit gebraucht. „Das hat uns eine Stunde Zeit verschafft“, sagt er. Maximilian Rempe, Lienens Stellvertreter, meint ganz klar mit Blick auf das neue Lagezentrum: „So einen Raum haben die anderen Wehren im Kreisgebiet nicht.“
Während die Experten, die sich in Ruhe überlegen mussten, wie auf eine solche Lage zu reagieren ist, und diejenigen, die für die Kommunikation nach draußen zuständig sind, früher eng aufeinander saßen, sind diese Aufgabenbereiche nun getrennt. Jeder kann sich auf seinen Job besser konzentrieren.
Bei der Einweihungsfeier am Samstag (23. August) konnten sich die mehr als 400 Ehrengäste ein Bild von dem neuen dreistöckigen Gebäude machen, in das 9,3 Millionen Euro investiert wurden. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützte das Projekt mit 250.000 Euro aus dem Förderprogramm „Feuerwehrhäuser in Dörfern“. Die Liste der Vorteile im Vergleich zum alten Gebäude ist lang. In jedem Stockwerk werden sie sichtbar. Die große Einsatzhalle mit Platz für elf Einsatzfahrzeuge inklusive einer Waschhalle verfügt über viereinhalb Meter hohe Tore. Bislang waren die Tore kleiner, was zu Einschränkungen bei der Fahrzeuganschaffung führte.
Außerdem können auch die Kleinsten jetzt durch die neuen Tore hindurch auf die Fahrzeuge schauen. „Das war uns wichtig, denn wenn ein Kind hierhin kommt, muss es auch Feuerwehrfahrzeuge sehen können“, sagt Patrick Falkenrich, stellvertretender Leiter der Sennewehr. Ebenfalls im Erdgeschoss befinden sich die Spindbereiche. Jetzt gibt es einen für die Männer mit 135 Spinden und einen für die Frauen mit 37 Spinden. Die Zeiten, in denen sich die Feuerwehrleute in der Fahrzeughalle umziehen mussten und es keine Dusche gab, sind vorbei.
Die Hövelhofer Feuerwehr freut sich nicht nur über immer mehr Frauen in ihren Reihen, sondern auch über große Beliebtheit bei der jungen Generation. Jedes Jahr können drei bis vier neue Mitglieder in die Jugendfeuerwehr aufgenommen werden. Es gibt inzwischen eine Warteliste. „Manche Eltern lassen ihren Nachwuchs quasi schon mit der Geburt auf die Liste setzen“, sagt Sebastian Lienen mit einem Augenzwinkern. Aktuell gibt es 113 aktive Feuerwehrleute, 16 Mitglieder in der Jugendfeuerwehr und 26 in der Ehrenabteilung.
Die Aktiven werden künftig von Schulungsräumen mit Thekenbereich, speziellen Bereichen für die Jugendfeuerwehr, einer Elektrowerkstatt, einer gut ausgestatteten Kleiderkammer und Spezialräumen für besondere Situationen profitieren. Einer davon wird genutzt bei außergewöhnlichen Ereignissen. Hier kann dann auch die Verwaltungsspitze weiter arbeiten, wenn das im Rathaus nicht mehr möglich sein sollte. Es gibt eine Richtfunkstrecke zum Rathaus, und vom Gerätehaus aus kann auch auf die technischen Systeme der Verwaltung zugegriffen werden. Zudem wurden zwei Serverräume angelegt für den Fall, dass einer ausfallen sollte. Falls der Strom wegfällt, sorgt eine 120-Kilowatt-Netzersatzanlage dafür, dass alles weiter läuft und die Einsatzzentrale mit einer Tankladung Diesel 48 Stunden ungestört weiterarbeiten kann.
Wie viele Stunden Herzblut die Kameraden in ihr Feuerwehrgerätehaus investiert haben, kann Lienen gar nicht mehr zählen. Um es mit seinen Worten zu sagen: „Meine Frau ist froh, wenn es fertig ist.“ Bereits 2020 hatte der Gemeinderat beschlossen, neu zu bauen. Damals war von 7,7 Millionen Euro Baukosten die Rede. Etwa zwei Jahre später wurden 9,3 Millionen eingeplant. 2023 erfolgte die Grundsteinlegung. Hövelhofs Bürgermeister Michael Berens (CDU) betont, dass der Zeit- und Kostenplan eingehalten wurde und es eine besondere Herausforderung – nicht zuletzt für das Bauamt – gewesen sei, an dem alten Standort neu zu bauen, ohne die Einsatzfähigkeit zu schwächen.
„Der Standort hier ist uns immer sehr wichtig gewesen, weil er zentral liegt“, sagt Sebastian Lienen. Das gelte sowohl für die Einsatzorte als auch für die schnelle Erreichbarkeit des Gerätehauses für die Feuerwehrkräfte. Die zwischenzeitlich errichtete provisorische Halle soll am Bauhof weiter verwendet werden. In den nächsten Wochen erfolgt dann nach und nach der Umzug ins neue Gebäude.
Als „gebaute Wertschätzung“ bezeichnet Patrick Falkenrich als Teil des siebenköpfigen Projektteams die neue Wirkungsstätte. Er und seine Leitungskollegen sind begeistert von dem Bau, den sie als „Zuhause unserer Feuerwehr“ sehen. Auch Landrat Christoph Rüther betonte bei der Einweihungsfeier, dass die oftmals auch gefährlichen Einsätze der Feuerwehrleute „unser aller Wertschätzung verdienen“. Daniel Sieveke, Staatssekretär im NRW-Bauministerium, sprach vielen aus der Seele: „Solche Voraussetzungen wie hier findet, man nicht alle Tage.“
Bürgermeister Berens bezeichnete die Eröffnung mit Segnung des gesamten Gebäudes als einen „ganz besonderen Moment für Hövelhof, wenn nicht sogar historisch“. Es sei die bislang größte Investition in seiner Amtszeit. Er hatte auch eine Überraschung für Patrick Falkenrich, Sebastian Lienen und Maximilian Rempe dabei. Er überreichte ihnen die Ehrennadel des Bürgermeisters in Gold.
Auch der Förderverein der Sennewehr hatte ein besonderes Geschenk dabei. Das etwa 1,5 Meter lange Glaselement für den Eingangsbereich der Wache ist ein Unikat, ist darauf doch bereits das neue Gerätehaus neben zahlreichen anderen Hövelhofer Motiven zu sehen.
Doch die Feuerwehr selbst wusste auch zu überraschen: Als erste Frau in der Geschichte der Feuerwehr Hövelhof erhielt Anna Kesselmeier am Eröffnungstag des neuen Gerätehauses die Ernennung zur Brandmeisterin.
Im kommenden Jahr feiert die Hövelhofer Feuerwehr ihr 95-jähriges Bestehen. Alle Bürger haben am Sonntag, 19. April 2026, die Chance, das Feuerwehrgerätehaus an einem Tag der offenen Tür kennenzulernen.
Bericht: WestfälischesVolksblatt von Kerstin Eigendorf