Gesamtwehrübung, um 13.14 Uhr lösten am Samstagmittag die Meldeempfänger die Einsatzkräfte der Delbrücker Feuerwehr aus und alarmierten die Retter auf das Gelände der Raiffeisen-Centrale in Schöning.
Delbrück-Schöning. Aus dem Silo drang dichter schwarzer Rauch. Insgesamt galten vier Personen in dem Silo als vermisst, eine weitere Person stand außerhalb des Silos. Schnell beorderte Einsatzleiter Ralf Fischer weitere Kräfte auf das weitläufige Gelände. Um 13.56 Uhr lösten die Melder erneut aus: Im Kreuzungsbereich Brakendiek/Sporkallee war es zu einem Unfall unter Beteiligung eines Linienbusses, eines Autos und einer Radfahrergruppe gekommen.
Zunächst kam die Drehleiter an dem Silo der Raiffeisen-Centrale zum Einsatz, um zunächst eine Person zu retten. „Vor allem der beengte Zugang zur Trocknung war eine Herausforderung“, so Wehrführer Heinz Noje, der diese außergewöhnliche Großübung seit einem halben Jahr vorbereitet hat. Parallel gingen mehrere Trupps unter Atemschutz auf die Suche nach den vier Vermissten vor. Gleichzeitig lief die Brandbekämpfung an. Eine Nebelmaschine sorgte für eingeschränkte Sichtverhältnisse, sodass sich die Suche als echte Herkulesaufgabe erwies.
Die „Übungspuppen“ wurden nach und nach gefunden, doch Rettung war schwierig. Die realistisch schweren Puppen mussten alle über die Drehleiter gerettet und der medizinischen Erstversorgung zugeführt werden. Aus zwei Unterflurhydranten sowie über einen Pendelverkehr von der gut einen Kilometer entfernten Ems konnte das Löschwasser an die Einsatzstelle befördert werden. Neben Feuerwehrleuten aller sechs Delbrücker Löschzüge war auch die Rietberger Feuerwehr im Einsatz.
Dem simulierten Brand in dem Komplex der Raiffeisen-Centrale war der Löscherfolg schnell anzusehen, sodass der zweite Teil der Alarmübung anlaufen konnte. „Nachdem die erste Chaosphase des Brandeinsatzes gemeistert war, haben wir uns ein zweites Szenario überlegt. Wir wollten testen, ob die Duplizität der Ereignisse überhaupt sinnvoll zu bewältigen waren“, erläutert Heinz Noje.
Um 13.56 Uhr lösten die Melder erneut aus. Im Kreuzungsbereich Brakendiek/Sporkallee war ein Pkw mit einem Linienbus zusammenstoßen. Der Bus war auf die Seite gekippt und hatte dabei eine Radausflüglergruppe teils unter sich begraben. Der Pkw war in einen Wasser führenden Graben geschleudert. Mehrere Personen waren eingeklemmt oder eingeschlossen. Die genaue Personenzahl war zunächst nicht klar.
Jörg Hennemeier nahm sich der Herausforderung an. Nach ersten Erkundungen stellte sich heraus, dass 20 Personen beteiligt und teilweise schwerstverletzt waren – eine ManV 50 – Lage wurde ausgelöst. Die beiden Fahrer des Pkws mussten aus dem Cabrio befreit werden. Die beiden Verletzten-Darsteller sorgten für ein absolut realistisches Szenario. Auch im Bus waren einige Personen eingeklemmt. Dort mussten sich die Feuerwehrleute zunächst einen Zugang zu dem (echten) auf der Seite liegenden Linienbus verschaffen. Parallel dazu trafen eine Vielzahl an Rettungsdienstkräften und Notärzten ein.
Die besondere Schwierigkeit war, eine Fahrgasse für die Rettungswagen freizuhalten, sodass nach der Priorisierung der Verletzten der Transport in Krankenhäuser erfolgen konnte. Nach Sichtung durch Notärzte wurden bei acht Personen lebensbedrohliche Verletzungen, bei vier schwere Verletzungen und bei weiteren acht Personen leichte Verletzungen festgestellt. Zunächst wurden zwei Sammelplätze eingerichtet. „Bei einem Realeinsatz wären auch mehrere Rettungshubschrauber vor Ort, aber das war schon eine echte Herausforderung“, so der Leitende Notarzt Martin Terstesse.
Für den Transport wurden Rettungs- und Krankenwagen aus dem ganzen Kreisgebiet zusammengezogen. Die Kommunikation unter den Kräften ist bei derartigen Schadenslagen immer eine Herausforderung, die aber gut gemeistert wurde. Nach gut 30 Minuten waren alle Personen befreit und befanden sich in Erstbehandlung.
Insgesamt 400 Einsatzkräften waren an den beiden Übungsszenarien beteiligt. Der stellvertretende Kreisbrandmeister Tobias Rupprecht war von der Einsatzmotivation und dem Know-How beeindruckt. „Ein solch komplexes Szenario so professionell zu bewältigen, ist sehr beeindruckend. Es gibt immer Kleinigkeiten zu verbessern, aber unter dem Strich ist alles sehr gut gelaufen“, lobte Rupprecht.
Text und Fotos: Axel Langer