Jugendfeuerwehr Delbrück. Samstagmittag, 11.32 Uhr. Auf den Straßen auf beiden Seiten des Boker Kanals blitzen Blaulichter auf und Martinhörner sind zu hören. Immer mehr Einsatzfahrzeuge biegen von dem schmalen Weg auf den Hof Mertensmeier ein. Aus einer Scheune quillt grauer Rauch.
Delbrück-Westenholz. Von den Fahrzeugen sitzen die Mannschaften ab. Begleitet von ihren Ausbildern und Betreuern treten mehrere Gruppen den Einsatzbefehlen ihrer Gruppenführer. Danach geht es Schlag auf Schlag. Routiniert entnehmen die Jugendlichen die notwendigen Geräte aus den Fahrzeugen, verlegen Schläuche zwischen den Fahrzeugpumpen und Verteilern und bereiten einen umfassenden Löschangriff vor.
Andere Kräfte durchsuchen die brennenden Gebäude, retten vermisste Personen aus dem (Disko-)Nebel und übergeben sie an den Rettungsdienst. Hundert Meter entfernt, auf einer unbefestigten Hofzufahrt ist ein Auto, mit dem eine Jugendliche Hilfe holen wollte, mit einem Holzanhänger kollidiert. Auch dort müssen die Jugendfeuerwehrleute schnell und überlegt helfen. Gekonnt wird die Verletzte durch die Heckklappe befreit. „Tunneln“ nennt das die Feuerwehr. Umsichtig unterstützen die Jugendfeuerwehrleute den Rettungsdienst und halten Flaschen mit einer Infusionslösung, während ihre Kameraden Baumstämme mit Holzkeilen vor dem Absturz bewahren. Später übt die Jugendfeuerwehr noch einen Schaummitteleinsatz - natürlich nur mit Übungsschaum wegen des nahen Boker Kanals.
Später bereichert noch ein weiterer Verkehrsunfall das Übungsszenario, das Ulrich Hagenbrock geschrieben hatte. Ein Gaffer hat nur Augen für die Feuerwehr und erfasst mit seinem Fahrzeug mehrere Fahrradfahrer dabei verletzt wurden. Auch hier müssen die Jugendlichen die Verletzten sach- und fachgerecht versorgen. Hagenbrock übernimmt bei der Übung auch die Einsatzleitung und weist den Einheiten die einzelnen Übungsabschnitte zu. Als Bereitstellungsraum dient das nahe Betriebsgelände des Polstermöbelherstellers Lohrmeier und Laukötter (ell + ell).
Rund 140 Mitglieder der Jugendfeuerwehren aus Delbrück und dem benachbarten Rietberg (Kreis Gütersloh) waren mit Feuereifer bei der Übung dabei. Für manche Gruppen war die Vollübung am Boker Kanal Teil der sogenannten Berufsfeuerwehrtage, bei denen die, wie die beruflichen Kollegen, 24 Stunden in den Gerätehäusern verbringen und in dieser Zeit auch mir unterschiedlichen Einsatzszenarien konfrontiert werden.
Interessiert verfolgten das Leitungsteam der Delbrücker Feuerwehr die rund anderthalbstündige Übung. „Man sieht den Jugendlichen an, wie viel Spaß ihnen Feuerwehrdienst macht“, freut sich Heinz Noje, Leiter der Delbrücker Feuerwehr. Kreisjugendfeuerwehrwart Jürgen Kersting zollte dem Können der Jugendlichen ebenfalls hohes Lob. Auch die Anwohner auf dem Hof waren von der Leistungsbereitschaft der Jugendlichen sichtbar angetan. Im Anschluss an die Übung warteten im Gerätehaus Westenholz ausreichend Würstchen und Pommes auf die Nachwuchslöscher.
Text und Fotos: Ralph Meyer