30. Januar. Bad Wünnenberg.

Formaldehyd nach Verpuffung ausgetreten. Firmengebäude evakuiert.

Bad Wünnenberg (mk/fin). Beim Formen von Plastikteilen ist es gestern Vormittag an einer Maschine der Firma Wöhler Brush Tec in der Schützenstraße zu einer Verpuffung gekommen. Formaldehyd-Gas ist dabei in die Luft gestiegen. Ein 49 Jahre alter Wöhler-Mitarbeiter musste mit Reizungen der Atemwege ins Krankenhaus gebracht werden.
Weitere 56 Beschäftigte wurden aus der Halle evakuiert. Notärzte haben 20 von ihnen näher untersucht - ohne Befunde. Die Bad Wünnenberger Feuerwehr unter Einsatzleitung von Martin Liebig war mit allen zur Verfügung stehenden Kräften im Einsatz.

Aus Paderborn rückte der Gefahrgutzug mit dem Messwagen zur Überprüfung einer möglichen Giftgaskonzentration an. Die Produktionshalle wurde eine halbe Stunde lang belüftet. Gegen 13.30 Uhr konnte die Arbeit in allen Bereichen wieder aufgenommen werden, ein nennenswerter Schaden entstand nicht - teilte das Unternehmen mit.

Nach dem Unfall wurde das Gelände der Firma Wöhler in der Bad Wünnenberger Schützenstraße abgesperrt. In dem Dekontaminationszelt auf dem Parkplatz ließen sich Mitarbeiter von möglichen Vergiftungen reinigen.

Bericht; Neue Westfälische. Fotos: Marc Köppelmann
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Bericht: Polizei
Arbeiter bei Betriebsunfall verletzt

Bad Wünnenberg: Bei einem Betriebsunfall in einer Kunststoff verarbeitenden Firma an der Schützenstraße ist am Montagvormittag ein 49-jähriger Angestellter leicht verletzt worden.

 In einer Maschine zur Herstellung von Kunststoffteilen ist gegen 10:45 Uhr vermutlich infolge einer chemischen Reaktion ein Werkstück zerplatzt. Dabei wurde Formaldehyd-Gas frei gesetzt, dass bei den etwa 20 Mitarbeitern Reizungen in den Atemwegen verursachte.
Ein 49-jähriger Angestellter wurde mit einem Rettungswagen zur weiteren Versorgung in ein Krankenhaus gebracht. Mehrere Notärzte untersuchten die verbliebenen und aus dem Werk evakuierten Mitarbeiter. Weitere medizinische Betreuung war für diese jedoch nicht erforderlich.
Die Feuerwehr überprüfte unter Einsatz von Atemschutz mehrfach die Gaskonzentration in der Werkshalle. Nachdem der Betrieb gelüftet worden war, konnten keine Gesundheitsgefährdenden Stoffe mehr festgestellt werden. Die Höhe des Sachschadens ist noch nicht bekannt.

Westfälisches Volksblatt

Arbeiter bei Gasunfall verletzt
Verpuffung in Testmaschine in der Produktionshalle von Wöhler in Bad Wünnenberg

Von Sebastian Schwake
Bad Wünnenberg (WV). In der Produktionshalle der Firma Wöhler Brush Tech, Produzent von Bürstenherstellmaschinen, in Bad Wünnenberg hat es gestern eine Verpuffung in einer Testmaschine gegeben. Ein Mitarbeiter musste verletzt ins Krankenhaus gebracht werden.

In der Maschine zur Herstellung von Spritzgußteilen ist Polizeiangaben zufolge um 10.45 Uhr vermutlich infolge einer chemischen Reaktion ein Werkstück zerplatzt. Dabei wurde Formaldehyd-Gas freigesetzt. »Unsere Messungen haben ergeben, dass eine geringe Menge unterhalb jeglicher Grenzwerte ausgetreten ist«, sagte Einsatzleiter und Bad Wünnenbergs Wehrführer Martin Liebing. Eine Gefahr für die Anwohner habe Liebings und den Angaben des stellvertretenden Kreisbrandmeisters Bernhard Lücke zufolge zu keinem Zeitpunkt bestanden. Das Werk wurde sofort evakuiert, das Firmengelände an der Schützenstraße weiträumig abgesperrt.

Ein Mitarbeiter (49), der sich bei der Verpuffung in der Nähe der Maschine aufgehalten hatte, klagte anschließend über eine Reizung der Atemwege. Er wurde vorsorglich in ein Krankenhaus eingeliefert. Zwei Notärzte untersuchten auf dem Betriebsgelände 20 weitere Mitarbeiter, die sich zum Unglückszeitpunkt in der Halle aufgehalten hatten. Drei von ihnen klagten über Atemwegsreizungen, sie mussten aber nicht ins Krankenhaus eingeliefert werden. Insgesamt waren 56 Mitarbeiter im Gebäude.

Nachdem die Produktionshalle bis 14 Uhr mit zwei Hochdrucklüftern von der Feuerwehr belüftet worden war, wurden Polizeiangaben zufolge keine gesundheitsgefährdenden Stoffe mehr in der Luft festgestellt. Die Höhe des Schadens steht noch nicht fest.
An der Testmaschine werden Spritzgußteile aus Polyoxymethylen (Pom) gepresst. »Pom« ist ein hochmolekularer, thermoplastischer Kunststoff. Die Testmaschine sei schon seit einiger Zeit in Betrieb, sagte Betriebsleiter Jürgen Liebing dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT. »Das in der Maschine verarbeitete Material hingegen hatten wir gerade erst geliefert bekommen.«
Bad Wünnenbergs Bürgermeister Winfried Menne machte sich vor Ort ein Bild. »Das ist zum Glück noch einmal glimpflich ausgegangen, das hätte auch anders ausgehen können«, sagte er.
Insgesamt 80 Feuerwehrleute aus Bad Wünnenberg, Fürstenberg, Leiberg, Haaren und Paderborn sowie Notärzte, Sanitäter und Polizisten waren im Einsatz.
Am Nachmittag konnte die Arbeit in allen Bereichen der Firma wieder aufgenommen werden, ein nennenswerter Schaden sei Firmenangaben zufolge nicht entstanden. Dr. Katrin Wöhler aus der Geschäftsführung teilte am späten Nachmittag mit, dass es dem 49-jährigen Mitarbeiter bereits besser gehe. »Mein Dank gilt den Einsatzkräften, die schnell vor Ort waren und die Situation routiniert gemeistert haben. Wir hatten Glück im Unglück und können froh sein, dass es so glimpflich ausgegangen ist.«


Foto: Sebastian Schwake