In einem Piercing- und Tattoo-Studio im Paderborner Stadtteil Schloß Neuhaus ist am Samstagvormittag ein gefährlicher Stoff ausgetreten. Nach bestätigten Informationen durch die Feuerwehr handelt es sich um Formaldehyd.
Paderborn-Schloß Neuhaus. Die Feuerwehr Paderborn wurde um 11.37 Uhr unter dem Stichwort „Austritt Gefahrgut“ zur Schlossstraße zu einem Wohn- und Geschäftshaus an der Schlossstraße im Neuhäuser Ortskern alarmiert. Wegen des Gefahrguteinsatzes musste die Schlossstraße zwischen der Schlosskreuzung und der Straße Im Quinhagen für längere Zeit gesperrt werden.In den Studioräumen war aus unbekannter Ursache ein Gefäß mit Formaldehyd geborsten.
Dabei trat bis zu einem halben Liter Flüssigkeit aus. Zunächst versuchte die Inhaberin vergeblich, die Flüssigkeit mit Papiertüchern aufzunehmen. Dann verließ sie mit einer Kundin und deren beiden zwei Kindern die Räumlichkeiten und wurde vom Rettungsdienst gesichtet. Die Betreiberin klagte dabei über Reizungen der Augen und Atemwege. Eine weitergehende Behandlung war jedoch nicht erforderlich.
Der Zugang zu den Räumlichkeiten wurde gesperrt. Die Feuerwehr Paderborn rückte unverzüglich mit den beruflichen Kräften der Feuer- und Rettungswachen Paderborn, den Ehrenamtlern der Einheit Schloß Neuhaus und dem Rettungsdienst Richtung Schloß Neuhaus aus, berichtet Einsatzleiter Michel Beivers. Ein Fachberater Chemie gab telefonisch Informationen zum Vorgehen.
Aus Delbrück fuhr Maik Sellemerten, Leiter der ABC-Einheiten des Kreises Paderborn, zur Einsatzstelle. Zusätzliche Einheiten waren jedoch nicht erforderlich. In Schutzanzügen unter Atemschutz brachten zwei Trupps Bindemittel auf und entsorgten anschließend das kontaminierte Material.Formaldehyd ist ein farbloses, stechend riechendes Gas. Es ist ein wichtiger Grundstoff in der chemischen Industrie. Formaldehyd führt zu brennenden Augen und löst Schleimhaut- und Atemwegsreizungen aus.
Das kontaminierte Material wurde fachgerecht in dichten Behälter entsorgt. Entsprechendes Material stand den Feuerwehrleuten im Abrollbehälter Gefahrgut zur Verfügung. Nach Einsatzende wurde die Außenbekleidung der Einsatzkräfte, die unmittelbaren Kontakt mit dem Material gestanden hatten, im Abrollbehälter Dekon grob gereinigt. Benutzte Geräte und Schutzanzüge wurden nach dem Einsatz luftdicht verpackt und mit dem Gerätewagen Rettung zur Dekontamination gesammelt. Die betroffenen Räumlichkeiten wurden von der Feuerwehr belüftet, um die Gase ins Freie zu drücken.
Mehrfach wurde das Ladenlokal auf noch vorhandene Reste an Formaldehyd überprüft. Die Feuerwehr war mit rund 30 Feuerwehrleuten etwa zweieinhalb Stunden im Einsatz. Die Polizei hat ihre Ermittlungen zur Ursache des Störfalls aufgenommen.
Text und Fotos: Ralph Meyer